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Cimade
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Die Cimade â Service ĆcumĂ©nique dâentraide (deutsch âĂkumenischer Dienst zur UnterstĂŒtzungâ), auch ComitĂ© inter-mouvements auprĂšs des Ă©vacuĂ©s (âĂberparteiliches Komitee fĂŒr FlĂŒchtlingeâ), ist eine Nichtregierungsorganisation in Frankreich, die sich fĂŒr AuslĂ€nder einsetzt. Sie ist Mitglied der FĂ©dĂ©ration protestante de France.
Contents
âą Aufgabenbereiche
âą Geschichte
âą In den 1960ern
âą In den 1970ern
âą In den 1980ern
âą In den 1990ern
âą Gegenwart
âą Finanzierung
âą Leiter
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Aufgabenbereiche
Die Cimade engagiert sich in den Bereichen
âą Juristische UnterstĂŒtzung: rechtliche Hilfe fĂŒr AuslĂ€nder in Verwaltungshaft (Aufnahmelagern), Unterhalt von sanitĂ€ren und sozialen Einrichtungen, Hilfen zur Integration. Diese AktivitĂ€ten werden durch Finanzmittel der öffentlichen Hand finanziert.
âą Aufnahme von AuslĂ€ndern und Integration: Begleitung von AuslĂ€ndern mit dauerhafter Aufenthaltsgenehmigung, internationale SolidaritĂ€tsaktionen, Intervention in GefĂ€ngnissen und Lagern, Sensibilisierung der Ăffentlichkeit und der Politik fĂŒr die Aufgaben der Organisation. Diese Aktionen werden vor allem aus Eigenmitteln der Organisation finanziert.
GemÀà ihren Statuten ist die Cimade âmit denen solidarisch, die leiden, die unterdrĂŒckt und ausgebeutet werden, und wird sie verteidigen, unabhĂ€ngig von ihrer NationalitĂ€t, Herkunft, politischen oder religiösen Standpunktenâ.cite-ref-1[1] Im Besonderen kĂ€mpft die Organisation gegen Rassismus und achtet genau darauf, dass die Persönlichkeitsrechte und die WĂŒrde ihrer SchĂŒtzlinge respektiert werden, gleich wie ihre Situation auch sein mag. Die Cimade vereinigt in diesem Bestreben Menschen aus verschiedensten nationalen, konfessionellen, philosophischen und politischen HerkĂŒnften.cite-ref-2[2]
Wenngleich die Cimade ursprĂŒnglich eine religiöse Vereinigung war, ist ihre Ausrichtung heute von Grund auf sĂ€kular. Sie respektiert die religiöse Orientierung und die Weltanschauungen ihrer SchĂŒtzlinge und definiert sich nicht durch die religiöse Motivation oder bestimmte Theologien, sondern durch die AktivitĂ€ten ihrer Mitarbeiter, die ganz unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehören.
Im Juni 2013 wurde GeneviĂšve Jacques, eine langjĂ€hrige Mitarbeiterin und ehemalige GeneralsekretĂ€rin der Organisation, PrĂ€sidentin.cite-ref-3[3] Ihr folgte 2018 Christophe Deltombe im Amt.cite-ref-4[4] Am 4. Juli 2020 wurde der bisherige Leiter des Cimade-Regionalverbands Ăle-de-France, Henry Masson, zum neuen PrĂ€sidenten gewĂ€hlt.cite-ref-5[5] Mit Stand vom September 2024 bekleidet er das Amt immer noch.cite-ref-6[6]
Geschichte
AnfĂ€nge: FlĂŒchtlinge aus Elsass-Lothringen
Im September 1939, im Zuge des Kriegseintritts gegen Deutschland, erfolgten die Evakuierungen aus dem Elsass und Lothringen in den SĂŒdwesten Frankreichs (Haute-Vienne, Dordogne, Landes, Lot-et-Garonne, Gers). Dadurch begann fĂŒr diese etwa 200.000 Personen eine lange Zeit des Exils unter schwierigen UmstĂ€nden. Die â oft deutschsprachigen â Alsaciens et Lorrains, wurden als Fremde wahrgenommen und mit Abwehrreaktionen der Einheimischen konfrontiert. Hinzu kam, dass die Bevölkerung in Elsass und Lothringen ĂŒberwiegend protestantisch war, wĂ€hrend die aufnehmenden Departements ĂŒberwiegend katholisch geprĂ€gt waren.
Eine protestantische Theologin aus dem Elsass, Suzanne de Dietrich, Mitglied des Weltkomitees der Unions de jeunes filles, unternahm eine Reise in die Gebiete im SĂŒdwesten. Ende September 1939 bildeten sich Gruppen mit Freiwilligen die als âComitĂ© inter-mouvements (CIM)â in den SĂŒdwesten Frankreichs (PĂ©rigueux, Haute-Vienne âŠ) gingen. Im MĂ€rz 1940 entstand daraus âderâ Cimadecite-ref-7[7], unter dem Vorsitz von Jane Pannier. Auf Wunsch von Marc Boegner wurde Madeleine Barot zur GeneralsekretĂ€rin ernannt.cite-ref-8[8]
Internierungslager fĂŒr AuslĂ€nder
Ab August 1940 betĂ€tigte sich La Cimade im Camp de Gurs,cite-ref-9[9] in dem damals viele verschiedene AuslĂ€nder festgehalten wurden: Zigeuner, Kommunisten, politische FlĂŒchtlinge, deutsche Intellektuelle, die vor dem Nazi-Regime geflohen waren, OsteuropĂ€er, die von der Wehrmacht geschickt worden waren und andere.cite-ref-10[10] La Cimade unterstĂŒtzte auch Juden die vor Verfolgungen auf der Flucht waren und kĂŒmmerte sich ab 1940 vor allem um deren Aufnahme in Le Chambon-sur-Lignoncite-ref-11[11] mit UnterstĂŒtzung der protestantischen Gemeinden und dem âComitĂ© de NĂźmesâ. Zusammen mit anderen Hilfsorganisationen kĂŒmmerte sich Cimade auch um die Internierten im Frauen-Internierungslager Brens und unterstĂŒtzten dort unter anderem die Einrichtung einer Kultur- und Freizeitbaracke.cite-ref-12[12]
Ab 1943, nach der Einnahme der âZone Sudâ, erweiterte die Vereinigung ihre Arbeit um die Herstellung von gefĂ€lschten Papieren und die Verschickung von bedrohten Juden in die Schweiz.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
In Deutschland engagierten sich verschiedene Freiwilligentrupps der Cimade ab 1946 in Mainz und Berlin, in FlĂŒchtlingslagern fĂŒr FlĂŒchtlinge aus Osteuropa. 1951 startete Madeleine Barot eine Mission in den FlĂŒchtlingslagern der PalĂ€stinenser im Libanon, in Syrien und in Jordanien. 1955 begannen zwei Krankenschwestern einen medizinischen Dienst in Dakar.cite-ref-13[13] Ab 1967 engagierte sich die Cimade in den BemĂŒhungen um einen gerechten Frieden zwischen Israelis und PalĂ€stinensern.cite-ref-14[14]
1956 wurde auch der erste âposteâ in Frankreich, in der Rue dâAix in Marseille, spĂ€ter in den Camps Grand Arenas, Colgate und Grande Bastide eingerichtet. 1959 wurde ein Posten in Paris eröffnet und 1962 in Lyon.cite-ref-15[15] In diesen BĂŒros werden vor allem Alphabetisierungskurse, Französischkurse, schulische Nachhilfekurse, aber auch NĂ€hkurse angeboten.
In den 1960ern
Am Beginn der 1960er wurden die Dienstleistungen neu eingeteilt und PrioritĂ€ten gebildet.cite-ref-17[17] Zu den zentralen âDienstenâ (services centraux) wurden Direction, Services gĂ©nĂ©raux, Ăducation ĆcumĂ©nique (Ăkumenische Bildung) und Cours interconfessionnels (interkonfessionelle Programme) gezĂ€hlt. Die einzelnen Sektoren waren damals:
âą âle secteur des rĂ©fugiĂ©sâ FlĂŒchtlingsarbeit: aufgeteilt in sieben âMissionsâ (Immigration, Ămigration, RĂ©fugiĂ©s ViĂȘt Nam (FlĂŒchtlinge aus Vietnam), Vestiaire (Kleiderkammer), Centres dâhĂ©bergement (UnterkĂŒnfte), Distribution de vivres (Verteilung von Lebensmitteln), Cours (Kurse), CinĂ©-club (Film-Club));
⹠Coudekerque (Nord): Fortsetzung der AufklÀrungs- und Bildungsarbeit, die in der Kriegszeit begonnen wurde;
⹠Dakar: Eröffnung einer Klinik;
âą la Maison internationale des Ă©tudiants de SĂšvres: Ein Wohnheim fĂŒr internationale Studenten;
⹠le service des prisons et libérés: Resozialisierung von HÀftlingen und Freigelassenen nach einer Reform des Strafrechts;
âą le service des sinistrĂ©s dâurgence: Notfalldienste.
AuĂerdem fĂŒhrte die Organisation ein Aufnahmezentrum in Sucy-en-Brie, sowie Altenheime fĂŒr russische FlĂŒchtlinge in Cannes, Saint-RaphaĂ«l und Perreux-sur-Marne. 1970 wurde der Poste de Strasbourg eröffnet. Roby Bois, der spĂ€tere GeneralsekretĂ€r der Cimade (1973â1984), der den Algerienkrieg miterlebt hatte, war in dieser Zeit besonders aktiv.
Nach der UnabhĂ€ngigkeit Algeriens blieben die Mitarbeiter im Land und arbeiteten im ComitĂ© chrĂ©tien de service en AlgĂ©rie (CCSA â Christlichen Komitee fĂŒr Dienste in Algerien), gegrĂŒndet vom Ăkumenischen Rat der Kirchen. 1966 eröffnete die Cimade ein BĂŒro im Lager von Sainte-Livrade-sur-Lot, in dem Harkis und RĂŒckkehrer aus Indochina untergebracht waren. ZusĂ€tzlich besuchten Mitarbeiter die Lager in Saint-Laurent-des-Arbres und Saint-Maurice-lâArdoise.
In den 1970ern
Anfang der 1970er wurde die Vereinigung erneut reorganisiert.cite-ref-18[18] Es wurde eine Direction geschaffen, die aus Rat, Leitungskomité und einem GeneralsekretÀr bestand, sowie den nationalen Diensten und den Teams.
Die Nationalen Dienste (services nationaux) unterteilten sich in âTechnische Diensteâ (services techniques â Ă©migration, immigration, rĂ©gularisation, Ă©tudiants, alphabĂ©tisation, artisanat, assistance et urgences, prisons) und âVerwaltungsdiensteâ (services administratifs â comptabilitĂ© (Buchhaltung), secrĂ©tariat, reprographie (VervielfĂ€ltigung), standard, Grenelle (Konsultation)), sowie âSpezielle Diensteâ (services spĂ©cialisĂ©s â information, documentation, fichier (Archiv), personnel et bĂ©nĂ©voles (Mitarbeiter und Ehrenamtliche), dĂ©veloppement).
Die Ăquipes (Teams) wurden gruppiert in die Sektoren Tiers-Monde (Dritte Welt â Dakar, CCSA AlgĂ©rie, Proche-Orient), RĂ©fugiĂ©s (Paris, Massy), Migrants (Saint-Denis, Nanterre, Sucy, Paris, Lyon, Strasbourg, Korsika, Marseille Dames, Marseille Arenc) und Entraide (Eingliederungshilfen â Harkis, Sainte-Livrade, service orthodoxe, reference ages, Cannes).
Ab 1964 und seit dem ersten Eintreffen politischer FlĂŒchtlinge aus Brasilien verfolgte la Cimade die Situation in Lateinamerika. Seit 1973 engagierte sie sich in der Aufnahme von FlĂŒchtlingen aus Chile, sowie unter der Leitung von AndrĂ© Jacques, auch fĂŒr FlĂŒchtlinge aus Mosambik, Griechenland, Angola u. a. Ab 1975 lag der Schwerpunkt dabei auf FlĂŒchtlingen aus Indochina. Vorrangig war dabei ein Sprachprogramm (FAS), welches vom Staat finanziert wurde.cite-ref-19[19]
In den 1980ern
1984 gab es eine erneute Reorganisation.cite-ref-20[20] Dem GeneralsekretĂ€r wurde ein âService dâadministrationâ unterstellt und es gab eine âGroupe âdroits de lâhommeââ sowie regionale BĂŒros (Paris, Lyon, Marseille, MontbĂ©liard, Montpellier, Strasbourg). DarĂŒber hinaus kĂŒmmerte sich eine âĂquipe de directionâ neben dem GeneralsekretĂ€r um die Abteilungen Communication, DĂ©veloppement und Ătrangers (âdĂ©fense des droits â accueilâ, âactions Ă©conomiques et culturellesâ, âfoyer de Massyâ).
In den 1990ern
1991 wurden zusĂ€tzlich regionale Einheiten geschaffen. Die nationale Organisation umfasste das Generalsekretariat, den Service administratif et financier und la communication. Auf nationaler Ebene arbeitete das BĂŒro âDĂ©fense des droits des Ă©trangersâ, und das BĂŒro âDĂ©fense des Ă©trangers en rĂ©tentionâ (DER), die Sprachprogramme, ein Frauenprogramm (programme femmes) und der âService des solidaritĂ©s internationalesâ.
Die âĂquipes rĂ©gionalesâ wurden in der Ăle-de-France (Batignolles, TrĂ©vise, Massy) eingerichtet, MĂ©diterranĂ©e (Marseille, Montpellier, Nizza, Perpignan), Centre Alpes RhĂŽne (Lyon, Clermont-Ferrand), Est (Ost â Strasbourg, MontbĂ©liard, Besançon), Sud-Ouest (SĂŒdwest â Toulouse, Bordeaux), Ouest (West â Nantes) und Nord (Lille).
Vor Ort organisierten Lokalen Gruppen die AktivitÀten.cite-ref-21[21]
Gegenwart
AuslÀnderrechte (Droits des étrangers)
Heute engagiert sich die Cimade in der Rechtshilfe fĂŒr AuslĂ€nder und Immigranten, vor allem fĂŒr illegale Einwanderer an der Seite anderer Organisationen wie der Groupe dâinformation et de soutien des immigrĂ©s (GISTI).cite-ref-22[22]
Insgesamt kĂ€mpft die Cimade zusammen mit der Dachorganisation Migreurop fĂŒr eine Verbesserung der Situation. In diesem Zusammenhang versucht sie ein öffentliches Bewusstsein zu erschaffen, unter anderem mit dem Festival âMigrantâscĂšneâcite-ref-23[23] sowie mit PlĂ€doyers bei Abgeordneten, Ministern und Ămtern.
Verwaltungsgewahrsam (Rétention administrative)
Aufgrund einer Vereinbarung mit dem MinistĂšre du Travail, de lâEmploi, de la Formation professionnelle et du Dialogue social war die Cimade zwischen 1984 und 2009 die einzige nichtstaatliche Organisation, die im Centre de rĂ©tention administrative en France der Hauptstadt tĂ€tig war. ZunĂ€chst gedacht zur Hilfe in materiellen Belangen, entwickelte sich die Aufgabe schnell hin zu juristischer UnterstĂŒtzung fĂŒr AbschiebehĂ€ftlinge (Reconduite Ă la frontiĂšre) und zur Dokumentation der Haftbedingungen.
Seit 2010, nach der Verabschiedung eines Ăbereinkommens mit dem MinistĂšre de lâIntĂ©rieur kĂŒmmern sich nunmehr 5 VerbĂ€nde um die HĂ€ftlinge in den französischen Zentren und den Zentren in Outre-mer (ohne Mayotte). Ende 2013 war die Cimade in 14 Zentren prĂ€sent, 2014 noch in 11 Zentren. Sie bietet Rechtsbeistand fĂŒr die HĂ€ftlinge an.
Die Mission der âDĂ©fense des Ă©trangers retenusâ (DER) ist seit 2010, seit die Haft in die Hand der Regionen gelegt wurde, vor allem die Verteidigung der Menschenrechte.cite-ref-24[24] Die Angestellten der Cimade besuchen die HĂ€ftlinge, klĂ€ren sie ĂŒber ihre Rechte auf und halten den Kontakt zur AuĂenwelt, speziell zu den Familienangehörigen. DarĂŒber hinaus berichten sie dem MinistĂšre du Travail, des Relations sociales, de la Famille, de la SolidaritĂ© et de la Ville ĂŒber die Haftbedingungen.
UnterkĂŒnfte (HĂ©bergement)
La Cimade fĂŒhrt zwei UnterkĂŒnfte:
âą le centre de Massy: im Vorort von Paris als Centre provisoire dâhĂ©bergement (CPH), vor allem fĂŒr FlĂŒchtlinge
âą le centre de BĂ©ziers: ein Centre dâaccueil de demandeurs dâasile en France (CADA).
Verankerung im Protestantismus
Am Beginn der Arbeit spielte die Evangelisation und Glaubensverbreitung eine entscheidende Rolle. Der VorgĂ€nger der Cimade, das ComitĂ© inter-mouvements (CIM) entstand aus drei protestantischen Organisationen: la FĂ©dĂ©ration universelle des associations chrĂ©tiennes dâĂ©tudiants (FUACE â Christlicher Studentenverband), les Unions chrĂ©tiennes de jeunes gens et jeunes filles (UCJ â CVJM) und FĂ©dĂ©ration des Ă©claireurs et Ă©claireuses unionistes (EU â Pfadfinder). Das Hauptziel der Organisation war 1940 âZeugnis fĂŒr das Evangelium fĂŒr die Jugend Frankreichs, die durch den Krieg geprĂŒft wurdeâ.cite-ref-25[25] Diese Haltung wurde nochmals am 10. MĂ€rz 1950 wiederholt. Damals hieĂ es, die Cimade kann nicht helfen, ohne zu evangelisieren.cite-ref-26[26]
Die VerknĂŒpfung mit dem Protestantismus war immer eines der Hauptmerkmale der Vereinigung, die sich selbst als ökumenisch verstand und nach und nach sĂ€kularer wurde. Marc Boegner, der PrĂ€sident der Cimade (1944â1955), war zu gleicher Zeit Leiter der FĂ©dĂ©ration protestante de France. Jacques Maury und Jacques Stewart waren beide PrĂ€sidenten der FĂ©dĂ©ration protestante de France bevor sie die Leiter der Cimade wurden.
Politische Ausrichtung
Von Anfang an sieht sich la Cimade auch als politische Organisation im Gegensatz zur NeutralitĂ€t, die von anderen Organisationen, wie z. B. dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) vertreten wird. In SolidaritĂ€t mit der Bekennenden Kirche erarbeiteten Madeleine Barot, die damalige GeneralsekretĂ€rin, zusammen mit Suzanne de DiĂ©trich, George Casalis und anderen die an die Barmer Theologische ErklĂ€rung von 1934 angelehnten Thesen von Pomeyrol, in denen die Grenzen des Gehorsams gegenĂŒber dem Staat, die persönlichen Freiheiten und das Ende der Kollaboration definiert wurden.
In den 1970er Jahren nĂ€herten sich die Verantwortlichen der Befreiungstheologie und teilweise marxistischen Idealen an. Dabei wurden beispielsweise LĂ€nder mit kommunistischem Regime niemals kritisiert, sehr wohl aber alle anderen autoritĂ€ren Regierungen in Lateinamerika. 1980 wurde Madeleine Barot zur Vize-PrĂ€sidentin der ACAT (Action des ChrĂ©tiens pour lâabolition de la torture) ernannt, die sich lange Zeit auf die lateinamerikanischen Diktaturen konzentriert hatte; und der GeneralsekretĂ€r Jacques Beaumont (1956â1968) unterstĂŒtzte öffentlich den Widerstand der Kurden im Irak und die Guerillaaktionen der SWAPO (South West Africa Peopleâs Organisation) gegen SĂŒdafrika und Namibia.
Daneben engagieren sich die Leiter der Cimade oft selbst in der Politik. Der frĂŒhere Leiter der UNEF (Union nationale des Ă©tudiants de France) Patrick Peugeot, der von 2006 bis 2013 PrĂ€sident war, ist ein aktives Mitglied der Parti socialiste.cite-ref-27[27]
Gesetzesinitiativen
2006 startete die Cimade eine Kampagne mit dem Titel âAssez dâhumiliation, les migrants sont notre monde!â (âGenug der Erniedrigung, Migranten sind unsere Welt!â). Die Kampagne sollte öffentlichkeitswirksam auf die Ungerechtigkeiten und Erniedrigungen hinweisen, denen Migranten heute ausgesetzt sind. Die Kampagne gipfelte 2007 in der Veröffentlichung von 75 Thesen fĂŒr eine âPolitik der Immigration in Gerechtigkeit und reiflicher Ăberlegungâ.cite-ref-28[28] Laurent Giovannoni, der damalige GeneralsekretĂ€r, prĂ€sentierte das Projekt den französischen PrĂ€sidentschaftskandidaten von 2007 als alternatives Gesetzwerk zum bisherigen Einwanderungsgesetz.
2011 veröffentlichte die Cimade â40 propositionsâ (40 VorschlĂ€ge) unter der Ăberschrift Inventer une politique dâhospitalitĂ© (dt. âErfindung einer Politik der Gastfreundschaftâ).cite-ref-29[29]
Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
Im Laufe ihrer Geschichte ĂŒbernahmen Mitarbeiter der Organisation immer wieder wichtige Aufgaben bei der GrĂŒndung von Menschenrechtsorganisationen, z. B. bei der Groupe dâinformation et de soutien des immigrĂ©s (GISTI)cite-ref-30[30], bei Forum RĂ©fugiĂ©s und France terre dâasile. Und sie ist selbst Mitglied in verschiedenen VerbĂ€nden wie RomEurope, Migreurop, Boat for People.cite-ref-31[31] Im Projekt Loujna arbeitet sie speziell mit afrikanischen VerbĂ€nden zusammen, die Migranten in Ostafrika und im Maghreb betreuen.cite-ref-32[32]
Finanzierung
Seit etwa 2005 speist sich das Budget der Cimade zu groĂen Teilen aus Steuermitteln, wobei der Anteil der Privatspenden anwĂ€chst. Laut der Inspection gĂ©nĂ©rale des affaires sociales ist die Vereinigung gekennzeichnet durch eine starke AbhĂ€ngigkeit von öffentlichen Mitteln.cite-ref-33[33] Daraufhin wurde versucht, die Finanzierungen besser zu verteilen. 2008 und 2009 wurde beispielsweise der Anteil der privaten Finanzierung durch den Verkauf des Hauptsitzes aufgebessert.cite-ref-34[34] Zur Erhaltung ihrer GlaubwĂŒrdigkeit lieĂ sich die Organisation vom ComitĂ© de la Charte zertifizieren. Dabei wurde vor allem die Transparenz der BuchfĂŒhrung garantiert.
Seit 2005 schwankt das Jahresbudget zwischen 6,5 und 10 Millionen EUR. Die Vereinigung zahlt etwa 100 feste GehÀlter und hat ca. 2000 Mitglieder.
Leiter
| PrÀsident | GeneralsekretÀre Secrétaires généraux |
|---|---|
| 1940: 00000 Jane Pannier 1941â1944: Violette Mouchon 1944â1968: Marc Boegner 1968â1970: Daniel Atger 1970â1983: Bernard Picinbono 1983â1988: Alain Ruellan 1988â1995: Jacques Maury 1995â1997: Jean-Pierre Weben 1997â2002: Bernard Picinbono 2002â2006: Jacques Stewart 2006â2013: Patrick Peugeot 2013â2018: GeneviĂšve Jacques 2018â2020: Christophe Deltombe 2020â 0000 : Henry Masson | 1939â1940: Georgette Siegrist 1940â1956: Madeleine Barot 1956â1968: Jacques Beaumont 1968â1974: Michel Wagner 1974â1984: Roby Bois 1984â1988: Marc Brunschweiler 1988â1995: GeneviĂšve Jacques 1996â2003: Jean-Marc Dupeux 2003â2005: Michel Forst 2005â2010: Laurent Giovannoni 2010â2011: JĂ©rĂŽme Martinez 2012â2019: Jean-Claude Mas 2019â2020: Cyrille de Billy 2020â 0000 : Laurent Schlumberger |
Weitere Persönlichkeiten:
âą AndrĂ© Dumas (1918â1996), französischer Pastor der Reformierten Kirche und Hochschullehrer.
âą Suzanne de Dietrich (1891â1981), protestantische Theologin elsĂ€ssischer Herkunft, die sich in der Ăkumenischen Bewegung engagierte.
Literatur
âą Parce quâil nây a pas dâĂ©trangers sur cette terre. 1939â2009, une histoire de la Cimade, Paris 2009, S. 64, brochure publiĂ©e Ă lâoccasion des 70 ans de la Cimade, [1]. â Dt. Weil es auf dieser Erde keine AuslĂ€nder gibt. 1939â2009 eine Geschichte der Cimade.
âą Madeleine Barot: «La Cimade: une prĂ©sence, une communautĂ©, une action». In: Les Clandestins de Dieu: Cimade 1939â1945, GenĂšve, Ămile Fabre (Hrsg.), Labor et fides, 1989, S. 29â38. â Dt. Die Geheimnisse Gottes.
âą Anne Boitel: «La Cimade en action auprĂšs des âindĂ©sirablesâ: essai de synthĂšse Ă travers le cas d'Ă©cole du camp de Rivesaltes (de Vichy Ă nos jours)». In: Roger BarriĂ©, Martine Camiade, Jordi Font (dir.), DĂ©placements forcĂ©s et exils en Europe au XXe siĂšcle. Le corps et lâesprit, actes du 2e sĂ©minaire transfrontalier, Paris, Talaia, 2013, S. 67â103.
⹠Jean-Paul Deler: ONG et développement: société, économie, politique, Paris, Karthala, 1998, S. 684.
âą JĂ©rĂŽme Drahy: Le Droit contre lâĂtat: droit et dĂ©fense associative des Ă©trangers, lâexemple de la Cimade, Paris, LâHarmattan, 2004, S. 370.
âą Nicolas Fischer: «Les Territoires du droit: sur quelques aspects du secours juridique associatif dans les centres de rĂ©tention», Vacarmes, Nr. 34, 2006, S. 106â111.
⹠André Jacques: Madeleine Barot: une indomptable énergie, Paris, éd. du Cerf, 1989, S. 223.
âą Dzovinar KĂ©vonian, GeneviĂšve Dreyfus-Armand, Marie-Claude Blanc-ChalĂ©ard, Marianne Amar (dir.): La Cimade et lâaccueil des rĂ©fugiĂ©s. IdentitĂ©s, rĂ©pertoires dâactions et politiques de lâasile, 1939â1994, Paris, Presses universitaires de Paris-Ouest, 2013, S. 265.
âą GĂ©rard Petitjean: «Manifester une solidaritĂ© active avec ceux qui souffrent : lâaction de la Cimade au regard de ses archives», S. 25â40.
âą AndrĂ© EncrevĂ©: «Les protestants français au milieu du XXe siĂšcle», S. 41â64.
âą GeneviĂšve Dreyfus-Armand: «La Cimade dans les camps dâinternement pendant la Seconde Guerre mondiale», S. 65â82.
âą Anne Boitel: «Agir, tĂ©moigner, rĂ©sister au sein dâun camp dâinternement français: lâaction de la Cimade Ă Rivesaltes entre 1941 et 1942», S. 83â100.
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âą Paul Gradvohl: «Accueil des rĂ©fugiĂ©s et construction dâune gĂ©ographie de lâaltĂ©ritĂ© : lâEurope centrale de la Cimade», S. 123â140.
âą Victor Pereira: «La Cimade et les Portugais en France de 1957 Ă 1974: une aide sous le signe des guerres coloniales», S. 141â156.
âą Vasiliki Kilekli: «La Cimade face Ă lâaccueil des exilĂ©s grecs en France (1967â1974)», S. 157â172.
âą Hugues Tertrais: «La Cimade, lâIndochine et ses rĂ©fugiĂ©s (1969â1979)», S. 173â182.
âą Marie-Christine Volovitch-Tavares: «La Cimade et lâaccueil des ârĂ©fugiĂ©s en provenance du Chiliâ, du coup dâĂtat militaire (11 septembre 1973) au dĂ©but des annĂ©es 1980», S. 183â198.
âą Tramor Quemeneur: «La Cimade et lâobjection de conscience», S. 199â212.
âą Axelle Brodiez-Dolino: «La Cimade entre religion et politique (1939â1995), ou les substrats idĂ©ologiques de lâhumanitaire», S. 213â224.
âą Marie-Claude Blanc-ChalĂ©ard: «RĂ©fugiĂ©s, migrants, Ă©trangers: les mots et les causes de la Cimade (annĂ©es 1970â1990)», S. 225â244.
âą Uta Gerdes: Ăkumenische SolidaritĂ€t mit christlichen und jĂŒdischen Verfolgten. Die CIMADE in Vichy-Frankreich 1940â1944. Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 2005, S. 380, ISBN 978-3-525-55741-9.
âą Jeanne Merle dâAubignĂ©, Violette Mouchon, Ămile C. Fabre: Les Clandestins de Dieu. Cimade 1939â1945, Paris, Fayard, 1968 (Rééd. Labor et Fides, GenĂšve, 1989), [2].
âą Pierre PĂ©an: Noires fureurs, blancs menteurs: Rwanda, 1990â1994, Paris, Mille et une nuits, 2005, S. 544.
⹠Thierry Suire: Les Protestants dans le Gard face au régime de Vichy, Nßmes, C. Lacour, 1999, S. 221, ISBN 2-84406-285-7.
âą Jean-Pierre Weben: «Cimade 1996», Autres Temps. Cahiers d'Ă©thique sociale et politique, Nr. 50, 1996, S. 81â84, voir en ligne.
Weblinks
âą lacimade.org
⹠La Cimade. Une histoire. (PDF; 5,4 MB) 11. September 2019; abgerufen am 30. Januar 2021 (französisch).
Einzelnachweise
cite-note-11. â âCimade a pour but de manifester une solidaritĂ© active avec ceux qui souffrent, qui sont opprimĂ©s et exploitĂ©s et dâassurer leur dĂ©fense, quelles que soient leur nationalitĂ©, leur origine, ou leur position politique ou religieuse.â
cite-note-22. â Auszug aus dem 1. Artikel der Statuten der Cimade, Missions de la Cimade (Memento vom 24. April 2014 im Internet Archive).
cite-note-33. â Louis de Courcy: GeneviĂšve Jacques, prĂ©sidente de la Cimade, une vie consacrĂ©e Ă lâaccueil. In: la-croix.com. 20. September 2013, abgerufen am 16. September 2024 (französisch).
cite-note-44. â Christophe Deltombe : un nouveau prĂ©sident pour La Cimade. In: lacimade.org. 25. Juni 2018, abgerufen am 16. September 2024 (französisch).
cite-note-55. â Nouveau Bureau national de La Cimade. In: lacimade.org. 8. Juli 2020, abgerufen am 16. September 2024 (französisch).
cite-note-66. â Organisation. In: lacimade.org. Abgerufen am 16. September 2024 (französisch).
cite-note-77. â Association sous le rĂ©gime de la loi de 1901, dĂ©clarĂ©e auprĂšs de la PrĂ©fecture de police de Paris le 8 mars 1940.
cite-note-88. â Parce quâil nây a pas dâĂ©trangers sur cette terre âŠ, S. 11 (siehe Literatur).
cite-note-99. â GeneviĂšve Dreyfus-Armand [2013], S. 68â69.
cite-note-1010. â Parce quâil nây a pas dâĂ©trangers sur cette terre âŠ, S. 13â15.
cite-note-1111. â Les Clandestins de Dieu. Cimade 1939â1945, S. 112.
cite-note-1212. â Mechthild Gilzmer: Fraueninternierungslager in SĂŒdfrankreich. Rieucros und Brens 1939-1944, Orlanda Frauenverlag, Berlin 1994, ISBN 3-929823-10-1, S. 191.
cite-note-1313. â Parce quâil nây a pas dâĂ©trangers sur cette terre âŠ, S. 38.
cite-note-1414. â Parce quâil nây a pas dâĂ©trangers sur cette terre âŠ, S. 42â43.
cite-note-1515. â Parce quâil nây a pas dâĂ©trangers sur cette terre âŠ, S. 22.
cite-note-1616. â Parce quâil nây a pas dâĂ©trangers sur cette terre âŠ, S. 26â27.
cite-note-1717. â Marie-Claude Blanc-ChalĂ©ard 2013, S. 227.
cite-note-1818. â Marie-Claude Blanc-ChalĂ©ard 2013, S. 230.
cite-note-1919. â Marie-Claude Blanc-ChalĂ©ard 2013, S. 233.
cite-note-2020. â Marie-Claude Blanc-ChalĂ©ard 2013, S. 238.
cite-note-2121. â Marie-Claude Blanc-ChalĂ©ard 2013, S. 241.
cite-note-2222. â Beispiel: dĂ©cision du Conseil d'Ătat du 13 novembre 2013 (Memento vom 20. Januar 2014 im Internet Archive): Diese Entscheidung Ă€ndert die Behandlung von Asylbewerbern. un blog du Monde (Memento vom 19. Februar 2014 im Internet Archive).
cite-note-2323. â festivalmigrantscene.org
cite-note-2424. â Les droits fondamentaux garantis par lâordonnance du 2 novembre 1945: Ordonnance 45-2658 du 2 novembre 1945 relative aux conditions d'entrĂ©e et de sĂ©jour des Ă©trangers en France Legifrance.gouv.fr, Le service public de la diffusion du droit.
cite-note-2525. â âDe tĂ©moigner de lâĂvangile auprĂšs de la jeunesse française Ă©prouvĂ©e par la guerre.â Statuts publiĂ©s au Journal officiel, 3. April 1940.
cite-note-2626. â ne peut aider sans Ă©vangĂ©liser
cite-note-2828. â âSi lâon veut Ă©viter que lâEurope ne se transforme en une RĂ©publique grecque avec ses citoyens, ses esclaves et au loin ses barbares.â â â[âŠ] um zu verhindern, dass sich Europa in eine griechische Republik mit ihren BĂŒrgern, Sklaven und Barbaren verwandeltâ
cite-note-2929. â auf der Seite der Organisation (Memento vom 1. Februar 2014 im Internet Archive).
cite-note-3030. â Anna Marek: Le droit au service des luttes. Plein Droit, Nr. 53â54, 2002.
cite-note-3131. â Website der Kampagne âBoats 4 Peopleâ
cite-note-3232. â Alternatives espaces citoyens (AEC, Niger), lâassociation malienne des expulsĂ©s (AME), Association mauritanienne des droits de lâhomme (AMDH), Association nigĂ©rienne de dĂ©fense des droits de lâhomme (ANDDH), Association des refoulĂ©s dâAfrique centrale au Mali (ARACEM), Caritas Gao (Mali), Caritas Maroc, Caritas Nouadhibou (Mauritanie), Forum tunisien pour les droits Ă©conomiques et sociaux (FTDES), Groupe antiraciste dâaccompagnement et de dĂ©fense des Ă©trangers et migrants (GADEM, Maroc), groupe de travail migrations et dĂ©veloppement du Congad (GTMD, Senegal), point dâaccueil des rĂ©fugiĂ©s et immigrĂ©s (PARI, SĂ©nĂ©gal) et Rencontre et dĂ©veloppement (AlgĂ©rie), sowie La ligue algĂ©rienne des droits de lâhomme und VerbĂ€nde von der ElfenbeinkĂŒste.
cite-note-3333. â est marquĂ©e par une forte dĂ©pendance Ă l'Ă©gard des fonds publics (60 % des ressources dâexploitation viennent du ministĂšre chargĂ© des affaires sociales) Rapport de lâInspection gĂ©nĂ©rale des affaires sociales, 2007.
cite-note-3434. â Archivlink (Memento vom 27. April 2014 im Internet Archive) Observatoire de lâaction humanitaire, 21. Januar 2011.